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Reisopera überrumpelt
mit „Orfeo“ von Gluck
In visueller Hinsicht oft überraschend. [...] Ein wahres
Spektakel wurde die jahrhundertealte Geschichte dank der einfallsreichen
Regie von Michiel Dijkema. Ohne Bühnenbild, nur geholfen von einfachen
Requisiten und ein paar alten Zaubertricks, gelang es ihm, einen springlebendigen
Theaterabend zu machen.
Ohne dass die Regie von der Geschichte abgelenkt hat, gab es immer wieder
überraschende Bilder zu sehen. Das Publikum war hell begeistert und
es ist zu hoffen, dass diese Produktion in Zukunft wiederaufgenommen wird.
Frans Heijdemann
Twentsche Courant Tubantia
25. 11. 05
Dijkema scheint
Gluck zu verstehen
Wäre dies der Grund für den jungen niederländischen
Opernregisseur Michiel Dijkema, um seine Inszenierung von Orfeo
nicht nur in einer Kirche zu situieren, sondern die ganze Oper außerdem
zu präsentieren als ein Beerdigungsritual? Wie dem auch sei, die
Kombination von klassischer Tragik, katholischen Ritualen und theatralischem
Einfallsreichtum funktionierte hervorragend.
Ausgangspunkt bildete die Hochzeit von Orfeo mit Euridice. Die Braut starb
und wurde mit viel Weihrauch begraben, wozu Dijkema den erhöhten
langen Mittelgang der Kirche mit einem Trauerzug füllte, welcher
sich wiederholt vom und zum Altar bewog. Während Orfeos Reise in
die Unterwelt, wenn er Euridice zurückholen will, erfolgt ein ingeniöses
Spiel von Erscheinen und Verschwinden in und aus einem Sarg. Die Furien
der Unterwelt entpuppen sich als feuerspuckende Monster, die in den Chorumgängen
die Kirche voller Flammen werfen. [...] Anzumerken wär vielleicht,
dass Dijkema als Regisseur zu viele Ideen hat. Die Entscheidung für
eine Kirche und eine Beerdigung waren als Interpretation schon mehr als
ausreichend. Seine vielen anderen Scherze und Einfälle schwächen
dieses Konzept nur ab. Dennoch hat Dijkema gezeigt, dass er stark konzeptuell
denken kann, gut mit Chor und Solisten umgehen kann und so eine berauschende
Vorstellung realisieren kann. Jetzt ist das Warten auf mehr.
Willem Bruls
Theatermaker
Februarnummer 2006
Unterwelt –
Oberwelt
Die Nationale Reisopera und das
Orkest van het Oosten brachten eine neue Produktion von Glucks
Orfeo. Es war eine großartige Vorstellung. Das Orchester
was in exzellenter Form und spielte wunderschön. Auch die Inszenierung
war sehr gut. Schon nur die erste Szene, der Auftritt des Chores. Fellini,
hätte er es sehen können, hätte an sich gezweifelt. Eine
Sammlung makabere Menschen, alle in schwarz gekleidet und dennoch extrem
vielfältig. […] Am Ende der Vorstellung wurde der Schlusschor
vom Publikum aus voller Brust mitgesungen. Mit Recht wurde lange applaudiert.
Stürmisch sogar.
www.overijssel.nl
30. November 2005
Jan Kristen
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